Stoffspielereien: Chenille

Lange habe ich überlegt, ob ich mich traue, an den Stoffspielereien mitzumachen: Blog neu, zuviele Nähprojekte und ob das genügt, was ich mache? Aber der Satz von Martina von machwerk in ihrem Post vom 10.Februar  „Neue Teilnehmerinnen sind immer willkommen“, sorgte dafür, dass ich mich aufraffte und nun dabei sein möchte.

Vorgenommen hatte ich mir die Herstellung von Chenille. Was daraus werden sollte, wollte ich entscheiden, wenn der „Stoff“ dann vor mir liegt.

Doch die Herstellung…

Ich erinnerte mich duster, auf einem Blog gelesen zu haben, dass ein Stück Stoff auf ein anderes mit vielen geraden Nähten im gleichen Abstand genäht wird. Der Stoff zwischen den Nähten wird dann aufgeschnitten, der unterste bleibt ganz. Also schnappte ich mir Reste von Dekostoff,, legte zwei Streifen auf und steppte ab, ohne mir Gedanke über einen Fadenlauf zu machen:

 

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Und dann schnitt ich den Stoff zwischen den Nähten auf:

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Oh Mann, das war frustrierend, denn natürlich franste die ganze Sache, wellte sich auch nicht und war so was von gar nicht flauschig sondern einfach nur für den Abfalleimer.

Also forschte ich weiter und schnell wurde mir mein Fehler klar: Der aufliegende Stoff mußte schräg zum Fadenlauf aufgenäht und aufgeschnitten werden.

Also zweiter Versuch: diesmal drei leichtere (etws ungeliebtere) Stoffe zum Aufnähen und Aufschneiden und ein etwas festerer als Unterlage:

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Im Abstand von ca. 1,3, cm – das hatte ich irgendwo gelesen – abgesteppt und aufgeschnitten:

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Ungeschickt war die Wahl des obersten Stoffes: Der Druck entsprach nicht genau einem 45 Grad-Winkel und ich musste mich daher beim Nähen konsequent mit dem Nähfuß an der vorherigen Nahtlinie orientieren. Vor dem Waschen habe ich das Werkstück noch mit Schrägband eingefasst und dann gings ab in die Waschmaschine und den Trockner.

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Das war jetzt schon fast so, wie ich mir das vorstellte. Zum Wehwerfen also zu schade und so verarbeitete ich den Fast-Chenille zu einem kleinen Körbchen, in dem jetzt meine Nähmaschinennadeln lagern.

 

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Aber so richtig war das immer noch nicht. Ich stellte mir Chenille wuscheliger vor. Also so, dass man die Nähte kaum noch sieht.

Und just zu diesem Zeitpunkt fiel mir ein total interessantes Buch in die Hände:

„Japanisch quilten“ von Shizuko Kuroha (Knaur Ratgeber Verlag, 2008, 29,95 €). Neben atemberaubenden Quilts aus alten japanischen Stoffen  – wo bekommt man nur solche Stoffe?! – und kleineren Nähereien tauchte plötzlich das Thema „Chenille“ auf. Sie verwendet im Buch selbst hergestellte Chenille als Patchworkteile in Quilts. Und eine wunderbare Erklärung zur Herstellung von Chenille gabs noch obendrein (Als ich das Buch dann genauer las, entdeckte ich, dass sie mehrere Bücher zum Thema „geradliniges Chenille“ geschrieben hat und wie sie diese zu Taschen und Quilts verarbeitet. Doch weder Internetbuchhändler noch Bibliotheken konnten mir weiterhelfen, vielleicht wurden diese Bücher ja auch nie aus dem Japanischen ins Deutsche oder Englische übersetzt).

Also ran an den Schrank und nochmals etwas ungeliebtere Stoffe rausholen, aufeinanderlegen und diesmal enger im Abstand von 0,6 cm – wie von Shizuko Kuroha empfohlen – absteppen:

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Aufschneiden, waschen und trocknen. Endlich war das Ergebnis so, wie ich es mir vorgestellt hatte:

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Wuschelig, fest, „raupig“.

Durch den mittleren Stoff mit dem großen Blumenmuster auf weißem Grund bekam der Chenille ein leichtes Muster. Der oberste Stoff ist ein leichter Flanell, da wäre wahrscheinlich ein leichterer Stoff noch besser. Shizuko Kuroha schlägt als oberste Lage auch Seide vor. In der Reihenfolge und der Farbe der Stoffe läßt sich sicher so manches ausprobieren und verschiedene Effekte können erreicht werden.

Wahrscheinlich sind auch durchgefärbte Unis besser geeignet als bedruckte Baumwollstoffe, die auf der Rückseite weiß sind. Denn die weiße Rückseite wird ja sichtbar.

Aus dem Chenille nähte ich dann einen hohen Beutel mit Zugschnüren, endlich ein nettes Transportmittel für das Strick- oder Häkelzeug, wenn ich mal wieder warten muss…

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Das Buch „Japanisch Qilten“ begeisterte mich sehr und vielleicht wage ich mich nochmals an Chenille.

Gerne würde ich mir eine Aufbewahrung für die Nähutensilien nähen: mit einem Holzstab an die Wand hängen und aus Chenille die einzelnen Taschen. Denn durch die vielen Stofflagen bekommt der Chenille Stand und Festigkeit. So erhalten Schere und Rollschneider, Lineal und Geodreick und all die anderen ständig benötigten Kleinigkeiten ihren Platz und die Aufbewahrungstaschen reissen nicht so schnell.

Mal sehen, wann ich dazu komme… Und dann leiste ich mir auch den Chenilleschneider!

 

Liebe Grüße

Ines

 

 

0 Gedanken zu „Stoffspielereien: Chenille

  1. griselda

    Willkommen bei den Stoffspielereien!
    Dein Beitrag ist wunderbar, man kann sehr gut die Entwicklung nachvollziehen. Und genau darauf kommt es ja bei den Spielereien an: Einfach mal anfangen und etwas wagen.
    Da kann der Weg schon das Ziel sein. Wenn wie bei dir so schöne Sachen rauskommen ist das perfekt!
    Danke für´s Mitmachen!

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  2. Siebensachen

    Deine Ergebnisse sind toll! Ich habe ja im 2cm-Abstand genäht und kann mir 0,6cm kaum vorstellen. Zumindest wird man da einen Chenille-Cutter brauchen. Beim Körbchen versuche ich gerade zu rätseln, wie es genäht ist, denn die umgeschlagenen Ecken sehen witzig aus.
    LG
    Siebensachen

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    1. naehzimmerplaudereien Beitragsautor

      Den 0,6 cm Abstand habe ich von Hand aufgeschnittem, das Stoffstück war ja nicht so groß. Und das ging gerade noch mit der normalen Stoffschere. Größere Stoffstücke würde ich aber auf jeden Fall auch mit einem Cutter (wie bei Grisela oder es gibt auch noch einen anderen) machen. Vielleicht erkläre ich das mit dem Körbchen irgendwann noch. Auf die Schnelle: Stoff mit der späteren Innenseite nach außen, an allen vier Ecken eine gerade Kante abnähen, umdrehen und dann die Ecken festnähen (war jetz vielleicht doch etwas kurz…)
      LG Ines

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  3. 123-Nadelei

    Ein toller Erfahrungsbericht, solche Erfahrungen sind nicht in Gold aufzuwiegen.
    Gerne habe ich gelesen, wie Du Dich dem Thema angenähert hast und am Ende so ein schöner Beutel entstanden ist. Auch Deine ersten beiden Experimente sind zweckmäßig zur Nutzung angekommen.
    Das Buch von dem Du schwärmst gehört auch zu meinen Lieblings-Handarbeitsbüchern. Mich faszinieren die blau-beigen Farbkombinationen und das japanische Flair.
    Falls ich noch mal Chenille nähe probiere ich mal 0,6 cm zwischen den Nähten, die normale Nahtzugabe ist 0,75 -> eine annähernde Alternative.
    LG Ute

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  4. Elisabeth Pilartz

    Herr wirf Zeit vom Himmel!!!! Oh, wenn ich das sehe, möchte ich direkt loslegen. Mal sehen, vielleicht kann ich nachts noch was machen!
    Ganz toll hast Du Deine Vorgehensweise beschrieben – ist ja beinahe eine Anleitung geworden. Das werde ich auf jeden Fall einmal ausprobieren. Danke Dir dafür. Schönen Sonntag noch.
    Liebe Grüße
    Epilele

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  5. KaZe

    Schöne Dinge sind entstanden. Mit diesen Anfängen habe ich mich auch mal rumgeschlagen, wenn man sich rantastet, schön hast du es beschrieben, das macht bestimmt viele neugierieg. Vielen Dank auch für den Buchtipp.Verarbeitet kann ich mir das so komplex vorstellen, weil man auch gut alte Stoffe benutzen kann, die schon dünner und ausgewaschen sind. Eigentlich ein totales Recyclingthema, wie ich jetzt feststelle. Beim Machen ist mir das noch nicht so aufgefallen.
    Viele Grüße Karen

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  6. frifris

    Gefällt mir sehr, die Farben und das feine Muster sehen bei dir sehr schön aus. Die Erfahrung mit den Abständen hatte ich bei einer früheren Chenillephase auch schon 😉
    Eine Anleitung für das Körbchen wäre doch schön, ich kann mir ungefähr vorstellen wie, aber wenn du mal übrige Zeit hast… (haha).
    LG frifris

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  7. Siebenschön

    Schön, daß du mitgemacht hast! Ich finde deine Beutel beide sehr gelungen.
    Auf den Fadenlauf zu achten, da hätte ich erst mal auch nicht dran gedacht, obwohl es total logisch ist…
    Liebe Grüße
    Marlene

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  8. sternenglück

    Dein Beutel ist unheimlich schön geworden! Ich hab dich gerade bei Griselda im Blog entdeckt, bewundere doch immer ihre Stoffkunstwerke. Zum mitmachen reicht meine Zeit leider nicht, aber es ist toll zu lesen, wie dein Werk entstanden ist.
    Liebe Grüße
    Sternie

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  9. Lucy

    Sehr erhellend, die Abstände der Nähte sind also wirklich das Entscheidende für den Effekt! ich finde besonders den zweiten Beutel sehr gelungen. Das hat wirklich etwas Japanisches, diese feine Struktur, in der sich die Stoffmuster auflösen. Deine Beschreibung der Bücher hat mich nämlich auch sehr neugierig gemacht!

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  10. Andrea Lorenz

    Toll – Danke für Deinen kl. ‚Erfahrungsbericht‘. Kannte bisher nur die Decken-Variante mit Flanell, das so etwas auch im Kleinen mit Webware möglich ist, fasziniert… da fällt mir der Angang zum selbst ausprobieren sogar noch etwas leichter 😉
    VlG Andrea

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  11. Mirella

    Ein sehr guter Beitrag für die Chenilletechnik, insbesondere das mit den Abständen hilft mir persönlich sehr weiter. Diesen engen Abstand werde ich sicher auch einmal ausprobieren.
    LG Mirella

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  12. Suschna

    Toll, dass du mitgemacht hast und auch gleich noch so schöne Ergebnisse und so viel weiterführende Informationen beiträgst, da bin ich nun auch ganz neugierig. Bei Griselda sind in den Kommentaren auch noch Links zu russischer Chenille, scheint als rund um den Globus benutzt zu werden, diese Technik. Danke auch, dass bei dir das Wort „Raupe“ vorkommt, schäme mich schon, dass ich das Thema ganz anders angegangen bin als gedacht.
    LG Suschna

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