Cardigan „Claire“ / La Maison Victor – mit Schrägbandversäuberung

Zu meinen neu genähten Blusen brauchte ich noch eine passende Jacke drüber – Frostbeule und so… . Ein Schnittmuster dafür war schnell gefunden: der Cardigan „Claire“ aus der aktuellen „La Maison Victor“ 1/2017.

Der Schnitt ist relativ schlicht, ohne Taillierung und ohne Verschluß. Die größste Schwierigkeit war, einen passenden Stoff zur „Blithe-Bluse“ zu finden. Der brau-schlammige Ton der Bluse wollte zu nichts in meinem Vorrat passen und im Stoffladen suchte ich zusammen mit der Verkäuferin eine halbe Stunde, bis ich schließlich bei der Max-Mara-Kiloware einen farblich passenden, etwas schwereren Strick – vermutlich eine Art Romanit-Jersey, fand.

Die Jacke soll laut Anleitung an der Vorderkante plus Halsausschnitt mit 1,5 cm Nahtzugabe zugeschnitten werden. Diese Nahtzugabe wird dann versäubert, nach links umgebügelt und dann angenäht. Das wollte ich so nicht nähen. Meist flattert eine solche Jacke und die innere Kante wird immer wieder sichtbar. Daher versäuberte ich die Vorderkante und den Saum mit einem Schrägband.

Veränderung beim Zuschnitt

Die vordere Kante und den hinteren Halsausschnitt schnitt ich mit eine Nahtzgabe von 3 cm zu. Diese 3 Zentimeter bügelte ich unversäubert nach links um.

Annähen des Schrägbandes

Nun wird das (gekaufte) 4 cm breite Schrägband rechts auf rechts an die Außenkante angelegt und in der eingebügelten Linie des Schrägbandes (1 cm vom Rand entfernt) angenäht.

Schrägband innen festnähen

Nun wird die Kante bzw. der Saum nach innen an der im ersten Schritt eingebügelten Linie nach links umgeschlagen, festgesteckt und das eingefaltete Schrägband mit Hexenstichen von Hand an der Jacke angenäht. Im Einzelnen:

a) hier sieht man das angenähte Schrägband

b) nach innen / links umschlagen, der Falz des Schrägbandes wird dabei auch eingefaltet.

c) Das Schrägband mit Hexenstichen unsichtbar an der Jacke festnähen

d) Die Ecke wird als eine saubere Briefecke gearbeitet:
Zuerst eine Seite fast bis zur Unterkante festnähen, dann die im rechten Winkel liegende Kante drüber schlagen und an der Ecke schräg einfalten.

Stecken und festnähen:

So wird ringsum an den vorderen Kanten, dem Halsausschnitt und dem unteren Saum verfahren. Das ergibt keine sichtbaren versäuberten Kanten, sondern alle Kanten sind unter dem aufgenähten Schrägband verborgen. Die Jacke kann nun aufklaffen, es sieht immer schön aus.

Am rückwärtigen Halsausschnitt ist diese Methode für diesen etwas schweren Stoff nicht so hundertprozentig geeignet, da der Stoff nach unten zieht und die Stiche auf der rechten Seite sichtbar werden.

Innen:

Außen:

Im getragenen Zustand ist dieses Ziehen nicht so schlimm, da die Jacke auf den Schultern aufliegt.

Je nach Stoff werden auch die Hexenstiche mehr oder weniger sichtbar sein. Bei meinem doppelt gestrickten Stoff konnte ich die Stiche meist nur in die oberer Schicht der linken Stoffseite stechen, so dass rechts nicht so viel zu sehen ist.

An meinem Cardigan /Jacke habe ich schon viel Freude. In den letzten Tagen konnte ich sie schon öfters anziehen und fühlte mich sehr wohl darinnen. Durch den beigen / grauen Farbton passt die Jacke auch zu vielem, eben auch zu meiner Cheyenne-Tunika aus dem Blusen-Sew-Along.

Liebe Grüße

Ines

 

Material
– Max-Mara-Stoff, vermutlich Romanit-Jersey, eher schwer
– geblümtes Schrägband, beides aus dem örtlichen Stoffladen

Schnitt
Cardigan „Claire“, La Maison Victor 1/2017

Kosten
Heft: 7,95 €
Stoff: ca. 25 €
Schrägband: ca. 12 €

verlinkt
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Maschinen
Bernina Aurora 450
Babylock enlighten

 

 

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29 Gedanken zu „Cardigan „Claire“ / La Maison Victor – mit Schrägbandversäuberung

  1. frau nahtlust

    Sieht wirklich klasse aus – innen wie außen. Und den Tragekomfort sieht man dem Teilchen und dir direkt an. Ein wirklich unentbehrliches Teil – ich kan gar nicht genug Cardigans im Schrank haben, aber die sind alle gekauft… Ich bin ja nicht so geübt im Kleidernähen. LG. Susanne

    Antworten
    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Ich bin ja ein Fan von Basicteilen, und der Cardigan sollte auch so eines werden. Ich bin richtig froh, dass er so geworden ist, auch mit der sauberen Innenverarbeitung. Und den Schnitt würdest Du auch hinbekommen!
      LG Ines

      Antworten
    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Der Schnitt ist ja relativ schlicht (und passt trotzdem) und da ich ein wenig „hüpelig“ bin , flattert bei mir ein Jacke immer auf, da wollte ich keine sichtbar versäuberten Kanten…
      LG Ines

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  2. Miriam

    Oh klasse! Und die Idee mit dem Saumband innen gefällt mir. Das sieht sehr sauber aus. Das kann ich mir für meine Japanische Sommer-Leinen-Jacke gut vorstellen. Das muss ich mir merken.
    Liebe Grüße Miriam

    Antworten
    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Ich mag diese Versäuberung auch sehr. Ich überlege grad, wie man das Schrägband an Leinen relativ unsichtbar annähen kann. Möglich wäre sicher auch, dieses von innen kanppkantig abzusteppen. Wenn man dann den Saumumschlag sauber gemessen hat, sieht das sicher auch gut auc.
      Liebe Grüße
      Ines

      Antworten
    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Danke Tanja! Und die Ecken funktionierten als ich vorne runter genäht hatte und dann den uneren Saum eingeschlagen hatte, fast logisch. Und es lässt sich ja immer an einem Probestück ausprobieren.
      Liebe Grüße
      Ines

      Antworten
  3. Bellana

    Auch wenn der Winter nun bald vorbei ist, diese Jacke brauche ich auch noch (oder spätestens im nächsten Winter). Mit Schrägband einfassen ist eine prima Idee.
    Grüßle Bellana

    Antworten
    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Diese Jacke lohnt sih wirklich, grad weil sie in ihrer Einfachheit gut geschnitten ist. Also bin ich schon gespannt auf Dein Exemplar.
      Liebe Grüße
      Ines

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  4. Susanne Dienstag

    So eine ordentliche und schöne Versäuberung macht zwar mehr Arbeit, aber gerade bei einer Jacke, die man auch offen trägt, auf alle Fälle lohnend. Glaube ich gern, dass du an der Jacke deine Freude hast; sieht nach einem Allrounder für fast jede Gelegenheit aus.
    LG von Susanne

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    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Das ist eben das Schöne an den „neutralen“ Farben; sie passen zu fast allem. Und ich finde Handnähte manchmal einfach besser und schöner – und manchmal wächst einen ein Kleidungsstück dadruch auch so richtig ans Herz.
      Liebe Grüße
      Ines

      Antworten
    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Danke Marietta! Das Schrägband hatte ich gleich zusammen mit dem Stoff gekauft. Daheim habe ich dann überlegt, wie bekomme ich das jetzt hin? Und nach ein bißchen Ausprobieren fand ich diese Idee ganz gut.
      Liebe Grüße
      Ines

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  5. made with Blümchen

    Mit dem Schrägband ist das eine wunderbar saubere Lösung, die gefällt mir sehr gut. Dass die Stiche am hinteren Halsausschnitt sichtbar werden, könnte auch als Stil-Element gelten, so gleichmäßig wie du da genäht hast! lg, Gabi

    Antworten
    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Ich bin auch ganz zufrieden mir dem Schrägband – sieht einfach sauberer aus. Die Stiche am hinteren Halsausschnitt sieht man v.a.wenn die Jacke am Bügel hängt. Wenn ich die Jacke anhabe, fallen sie kaum auf.
      Liebe Grüße
      Ines

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  6. Tanja711

    Schön, dass sich noch mehr Leute Gedanken über die Innenseite machen… Ich hab das als Kind schon so gelernt, beim Kreuzstich. Meine Mutter hat das IMMER von hinten kontrolliert.
    Und so leiert die Kante auch nicht so schnell aus.
    Du könntest an der hinteren Halsausschnittkante ja aber auch nochmal mit der Nähmaschine drübersteppen, das gibt es bei Kaufkleidung ja auch.
    Liebe Grüße
    Tanja

    Antworten
    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Bei mir muss es nicht immer innen schön sein, aber bei Jacken etc. habe ich das ganz gerne.
      Und am Hals hinten sieht man zum Glück im getragenen Zastand eigentlich nichts, das hängt am Bügel arg nach unten. Aber Absteppen bleibt ja immer noch als Option.
      Liebe Grüße
      Ines

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  7. Anja

    Ich mag ja Schrägbandversäumung sehr, mach es aber etwas anders. Danke für diese andere Variante, die bei diesem Cardigan wunderbar edel wirkt.

    LG Anja

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    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Meist näht man ja das Schrägband viel näher an der Saumkante auf, grad bei Rocksäumen. Aber bei der Jacke wollte ich ein Stück Saum haben und erst dann das Schrägband.
      Liebe Grüße
      Ines

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  8. Pingback: Cardigan Claire (LMV) | Nähzimmerplaudereien

Ich freu mich über Deine Worte: