“Alles Jersey – Oberteile, Hosen&Röcke” (Werbung)

Ich hatte bisher keines der unzähligen Bücher zum Thema “Jersey-Nähen”. Daher war ich auf dieses Buch gespannt: Lisa Fashiontamtam, deren Shirt #swag ich sehr schätze, hat ein Jersey-Buch beim EMF-Verlag veröffentlicht. Im Buch, das auch den Untertitel “Basics Nähen” trägt, gibt es verschiedene Modelle, die alle auf fünf folgenden Grundschnittmustern basieren und auch noch weiter abgewandelt werden können:

  • Ein Kleid/ Top mit dünnen Spaghettiträgern
  • Ein Basic-T-Shirt mit normal eingesetztem Arm
  • Ein Basic-Pullover mit überschnittenem Arm
  • Eine Basic-Hose mit Gummibund
  • Ein schmaler Basic-Rock mit Gummibund

Spannend finde ich bei Büchern ja immer, wie es sich tatsächlich mit den im Buch enthaltenen Schnitten verhält. Daher habe ich aus dem Buch die Culotte “Anne” und das Spitzentop “Ida” zu einem sommerlichen Schlafanzug genäht.

Die Culotte “Anne”

Im Buch wird die Culotte aus einem Plisseejersey genäht (ich habe einen solchen noch nie im Laden gesehen und wüsste spontan auch nicht, wo ich einen solchen herbekommen könnte….). Da in meinem Alltag zudem eine Culotte schwer zu integrieren ist, beschloß ich, die Hose aus einem gewebten und karierten Baumwoll-Hemdenstoff zu nähen. An einer Schlafanzugshose mag ich keine Taschen, daher ging das Nähen ratzfatz.
Die eigentlich gute Bild-für-Bild-Anleitung im Buch leidet hier unter der schlecht fotografierbaren Farbe: man erkennt hauptsächlich die Stoffklammern… .

Toll dagegen finde ich die hohe Form der Hose. Speziell hinten im Kreuz geht sie schön hoch, was ich bei Gummizugshosen sehr mag. Am Karomuster sieht man diese etwas Höhere ganz gut.

Die Hose verlaüft gerade runter – Culotte eben – aber im Sommer mag ich solche leichten luftigen Hosen gerne.

Das Top “Ida”

Ich weigere mich ja, Unterwäsche zu nähen, aber ein Top mit einem Spitzenrand fand ich dann doch sehr interessant. Im Buch sind mir die Fotografien des Tops – na ja – etwas zu lasziv und zudem ist auf keinem einzigen Bild das komplette Top am Modell zu sehen, um die Länge abschätzen zu können, geschweige sieht man den erwähnten Rollsaum.

Für mein Top entdeckte ich im Stoffladen einen bezahlbaren Seidenjersey – der fühlt sich sehr fein an und passt hervorragend zum karierten Hosenstoff. Da mir der Schnitt sehr kurz vorkam habe ich um 12 cm verlängert.

So gut ich die Näherklärungen im Buch sonst finde, hier beim Top fehlt leider die Angabe des Fadenlaufes bei den Streifen, mit denen einerseits das Rückenteil eingefasst wird und andererseits die Träger genäht werden. Beim Rückenteil erscheint der Fadenlauf noch logisch, da sich das Teil sonst nicht dehnt.

Aber bei den Trägern könnte man bei einer Drehung des Fadenlaufs ein Dehnen der Träger umgehen. Mangels Stoff habe ich die Träger aber in derselben Richtung wie den rückwärtigen Einfaßstreifen zugeschnitten.

Nicht ganz geschickt gewählt ist die Zuschnittbreite der Streifen: wer kann mit einem Lineal genau eine Breite von  3,6 cm zuschneiden? Vor allem ist diese Breite für die Passform nicht entscheidend. Ich habe die Streifen daher passend für meinen Bandeinfasser der Nähmaschine zugeschnitten (1 3/4”) und sowohl die Einfassung hinten und die Bänder mit dem Bandeinfasser genäht.

Das gab ein gutes und gleichmäßiges Ergebnis  – und ich war überrascht, dass sich der Jersey so gut mit der Nähmaschine vernähen ließ und dennoch beim Anprobieren die Nähte nicht rissen (das Top sitzt nicht hauteng).

Auch geht nicht klar hervor , was für eine Spitze benötigt wird. Die Angabe lautet “1 m elastische Spitze” – ist damit ein Meter von einem Spitzenband oder von einem Spitzenstoff gemeint? Ich vermute mittlerweile, dass ein Spitzenstoff gemeint ist, da von einem Rapport die Rede ist, die untere Kante an den Schnittmustern abgeschnitten wird und auch ein Formteil ausgeschnitten wird. Mangels passendem bezahlbarem Spitzenstoff habe ich mich für mein Modell allerdings für ein Spitzenband entschieden. Da ich das seitliche Spitzenteil daher nicht in Form zuschneiden konnte, muss ich da vielleicht für eine bessere Passform noch einen Abnäher einfügen.

Und etwas habe ich bei diesem Projekt ausprobiert: wasserlöslichen Heftfaden. Ich hoffe, er trägt nicht zur Mikroplastikverseuchung unserer Meere bei, denn er ist echt genial. Beim Top wird die obere Kante umgebügelt und darauf dann die Spitze festgenäht. Um da eine saubere “haltbare” Kante zu bekommen, habe ich diese Kante mit kleinen Heftstichen mit diesem Heftfaden genäht.

Beim Annähen der Spitze musste ich dann nicht darauf achten, ob ich den Heftfaden festnähe und musste ihn aus dem feinen Material auch nicht herausfutzeln. Nach dem ersten Waschen ist er dann weg.

Fazit zum Buch

  • Ein schönes und gut auf Grundschnitten aufgebautes Basicbuch für erste und zweite Schritte beim Nähen mit Jersey.
  • Ich mag, dass bei jedem Projekt dabei steht, dass die Nahtzugabe nicht enthalten ist und ich nicht vorne oder sonstwo nachschlagen muss, ob sie jetzt enthalten ist oder nicht.
  • Die Modelle sind eher jugendlich, haben aber bei den zwei Modellen, die ich ausprobiert habe, eine gute Passform.
  • Alle Modelle sind an immer an der gleichen Frau fotografiert, vermutlich in Gr. 36 oder 38 – da hätte ich mir gerne mehr Größenabwechslung gewünscht, auch um zu sehen, ob die Modelle auch jemandem mit größerer Konfektionsgröße stehen (die Schnittmuster umfassen immer die Größen 34 bis 44).
  • Ärgerlich finde ich, dass manche Modelle nicht komplett bzw. vollständig abfotografiert sind. Neben dem von mir genähten Top findet sich auch keine Komplettbilder der beiden T-Shirts.
  • Der Grundlagenteil ist mit 40 Seiten lang und ausführlich. Das Nähen von Jersey mit der normalen Nähmaschine und das Säumen mit der Zwillingsnadel  wird erklärt. Bezüglich Anpassungen wird nur auf das Verlängern oder Kürzen eingegangen.
  • Die schriftlichen Anleitungen sind wirklich gut – die Anleitungsbilder dagegen teilweise mit zu großen Abstand und mit zu wenig Kontrast fotografiert.
  • Für die beiliegenden 2 Schnittmusterbögen gibt es leider keine Einstecktasche oder ähnliches im Buch – das wünsche ich mir immer. Denn da könnte man die abgepausten Schnitte auch reinstecken!

Liebe Grüße

Ines

Buch
Lisa Janko-Grasslober (“Fashiontamtam”). Edition Michael Fischer 2019. 117 Seiten mit zwei beiliegenden Schnittmusterbögen. Grösse 34-44. ISBN 9783960932437. EUR 16,99 (D), EUR 17,50 (A), Preis variabel (CH).  – das Buch wurde mir für Rezensionszwecke kostenlos zur Verfügung gestellt.

Material
Hemdenstoff aus Baumwolle für die Hose aus dem örtlichen Stoffladen
Seidenjersey+elastisches Spitzenband aus dem örtlichen Stoffladen
wasserlöslicher Heftfaden von Madeira über den Nähpark

verlinkt
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10 Gedanken zu „“Alles Jersey – Oberteile, Hosen&Röcke” (Werbung)

  1. Martina

    Das ist ein sehr hübscher Schlafanzug! Und Seidenjersey? Muss sich toll anfühlen. Die Verarbeitung der Spitze mit umbügeln habe ich so bisher weder gesehen noch gelesen. Rollt sich der Jersey denn so nicht innen ein und trägt dann auf? Ich kenne dass man da mit Zickzack von Rechts drübernäht und dann den überstehenden Stoff wegschneidet.

    LG
    Martina

    Antworten
    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Der Seidenjersey fühlt sich wirklich sehr fein an. Ich habe mich bei der Verarbeitung komplett an die Anleitung gehalten – und das hat sich bisher auch nach dem Waschen nicht eingerollt, da wirklich knappkantig drauf gesteppt wird. Aber so wie Du die Verarbeitung beschreibst, geht das sicher auch.
      Liebe Grüße
      Ines

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  2. eSTe

    Liebe Ines,
    was bist du versiert, und weil du schon so viel Erfahrung hast mit Jersey, wird dein Mut auch mit einem tollen Ergebnis belohnt. Ich bin hin und weg von diesem tollen Spitzentop, an so was würde ich mich nie ranwagen. Aber eine Schlafanzughose scheint mir das Risiko wert zu sein.
    LG eSTe

    Antworten
    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Liebe eSTe,
      das Top ist gar nicht so schwer – dank Overlock und Obertransport ging es ganz gut. Und die Hose ist wirklich ein dankbares Nähobjekt.
      Liebe Grüße
      Ines

      Antworten
  3. Nähkäschtle

    Seidenjersey klingt spannend und ich mag ja gerne Skizzen von Nähschritten. Dein Ergebnis sieht sehr hübsch aus. Bezüglich des wasserlöslichen Fadens … das ist Polyester oder meist Polyvinylalkohol … vor allem letzter löst sich schlichtweg im Wasser und gelangt so direkt als Mikroplastik in die Umwelt … Viele Grüße Ingrid

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    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Liebe Ingrid,
      ich habe nachgeschaut: das ist Polyvinylalkohol – doof oder? Vermutlich ist das bei wasserlöslichen Vliesen nicht besser.
      Da hätte ich gerne Alternativen, die auch die Umwelt gut finden!
      Liebe Grüße
      Ines

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  4. Nicole

    Hallo Ines,
    vielen Dank für Deine Ausführlichkeit in diesem Beitrag.

    Letztlich musstest Du ja dann doch einige Dinge improvisieren bzw. anpassen. Was für denjenigen, der die Anleitung geschrieben hat völlig klar ist, muss vom Lesenden nicht unbedingt so verstanden werden. Schön zu wissen, dass ich nicht die einzige bin, die manchmal vor Schnittmusteranleitungen steht und sich fragt, wie das eigentlich gemeint ist.

    Letztdlich muss mann sich aber auch nicht immer zu 100% an die Anleitung halten. Das hast Du mit diesem Beitrag sehr gut dargestellt. Und das Endprodukt kann sich sehen lassen. Das Spitzentop sieht echt super aus!!!

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    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Beim Kleidenähen ist es einfach nicht wie beim Patchworken – irgendwas muss man immer anpassen. Ich freue mich immer über gute Anleitungen, seien sie geschrieben oder mit Bildern untermalt. Hier passt das Schriftliche, aber der Kontrast der Bilder ist stellenweise etwas dürftig.
      Liebe Grüße
      Ines

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  5. made with Blümchen

    Schade, dass der wasserlösliche Faden direkt Mikroplastik ist – warum geht das nicht auch z.B. aus Maisstärke? Ansonsten: Vor allem das Spitzentop sieht nett aus, aber zum Glück habe ich schon gute Basisschnitte für mich, sodass ich mir dieses Buch eher sparen kann. Auch gut. lg, Gabi

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    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Das mit dem Faden ärger mich schon – und ich denke, dass viele der wasserlöslichen Vliese auch auf dieser Basis sind. Daher heißt das für mich: sehr sparsam damit umgehen bzw. vermeiden!
      LG Ines

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