Stoffspielereien Januar 2018: Biesen

Biesen – also “fixierte Falten” an einem Kleidungsstück sind heute das Thema der Stoffspielereien, gesammelt von Martina Machwerk.

Meine Idee war es, ein Teil eines Kleidungsstückes mit Biesen zu versehen, wie bspw. in einer engen Bikerhose die Knieeinsätze (hier bei pattydoo oder hier bei ellepuls). Da aber Leggings nicht meiner Figur schmeicheln, entschied ich mich, die seitlichen Einsätze einer Weste mit Biesen zu versehen.

Zuerst probierte ich die Biesen mit der Zwillingsnadel aus . Das Ergebnis was sehr ernüchternd – mit dem Stoff, den ich vorgesehen hatte, gefiel mir das nicht. zudem waren mir die Biesen zu putzig. Daher hoffe ich, dass die anderen Stoffspielerinnen heute mit der Zwillingsnadel oder einem Biesenfuß der Nähmaschine experimentiert haben und bessere Ergebnisse zeigen.

Mein nächster Versuch waren dann ganz normale Biesen – etwas krumm und schief im ersten Anlauf, aber so konnte ich mir das vorstellen.

Zuerst Linien im gleichmäßigen Abstand aufzeichnen und bügeln.

Beim Abnähen war die seitliche Führungsschiene des Patchworkfußes eine große Hilfe, ich konnte trotz Länge und Menge der Biesen relativ schnell nähen.

Immer fünf bis acht Linien zeichnete ich auf und nähte dann ab – ich hatte Bedenken, dass sich die Kreide sonst abschabt.

Ich hatte aus meinem 2 m-Restekisten-Stoff (vermutlich eine Art Taft) zuerst alle anderen Schnittteile ausgeschnitten, und dabei darauf geachtet, vier relativ lange Stücke für die Biesen-Einsatz-Stücke übrig zu haben. Aus den langen Streifen wurden durch die vielen Biesen recht kurze Stücke, die gerade noch für das Schnittteil ausreichten. Hier im Vergleich

Bevor ich die Teile zuschnitt, habe ich sie mit Sprühstärke gebügelt und hinten mit einer Wattierung beklebt.

Und hatte dann meine wattierten und mit Biesen versehenen vier seitlichen Einsätze. Auf eine genaue Symmetrie der Biesen habe ich nicht geachtet, was aber im Ergebnis nichts ausmacht.

Die restlichen Schnittteile habe ich auch mit Wattierung versehen und in waagrechten Linien abgesteppt. Als dann die Weste bei einer ersten Anprobe gut passte, war ich recht erleichtert, hatte ich dieses Schnittmuster doch noch nie genäht.

Hier sieht man die Seitennaht – der Perfektionist könnte sich jetzt daran stören, dass nicht überall gleich viele Biesen sind – im Gebrauch ist das völlig unauffällig.

Nach Reißverschluss und Einnähen / Vestürzen des Futters habe ich nun eine bereits heiß geliebte Weste – ich ziehe Westen einfach unheimlich gerne an, da sie mir den Rumpf wärmen und mir mit den Armen Bewegungsfreiheit lassen.

Auf dem Bügel lassen sich vielleicht die Einzelheiten besser erkennen:

Nun bin ich gespannt, was Martina Machwerk alles sammelt – und hoffe auf viele weitere Anregungen und Ideen.

Liebe Grüße

Ines

 

Material
Taft aus der Restekiste,
Fleece und Reißverschluß: örtlicher Stoffladen

Schnitt
Meine Nuka” von Meine Herzenswelt
mit Kragen ohne Kapuze

Weiterführende Links zum Thema
Hoseneinsätze mit Biesen (ellepuls)
Kleidungsstück mit Biesen versehen (rapantinchen)
Dekorative Biesen (Bernina-Blog)
Biesen nähen (Schnittchen)

Was sind die Stoffspielereien?

Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der vorläufige Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:

25.02.2018: „Gesichter“ bei Nahtlust
25.03.2018: „Falten“ bei Schnitt für Schnitt
29.04.2018: „Schlipse“ bei FeuerwerkbyKaze
27.05.2018: „Japan“ bei madewithbluemchen
24.06.2018:  (Thema noch offen) bei Nahtzugabe

Meine Sternendecke von den Stoffspielereien im Oktober 2017 “Fäden auf Farbe” ist mittlerweile fertig und hier zu sehen.

41 Gedanken zu „Stoffspielereien Januar 2018: Biesen

  1. Naehkaeschtle

    So viele tolle Ideen an einem Kleidungsstück. Ich lerne heute erst mal was Biesen überhaupt sind und diese Kombination an deiner Weste mit den waagrechten Steppnähten und den Teilen mit den Biesen – das passt zu diesem Schnitt irgenwie wie die Faust aufs Auge und auch die Taschen in der Naht. Sieht super aus und bequem und praktisch – rundum gelungen! Liebe Grüße Ingrid

    Antworten
    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Der Schnitt ist sehr dankbar und näht sich echt gut. Und ich habe die Weste die letzten Tage schon sehr gern und oft angehabt – da nähe ich sicher noch weitere (dann aber ohne Biesen. Da hat das Nähen der Biesen allein zwei Tage in Anspruch genommen).
      Liebe Grüße
      Ines

      Antworten
    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Danke! Und mit dem Stoff war das nicht ganz so schlimm. Mit Bügeln und Stärken bekommt man das gut hin.
      Liebe Grüße
      Ines

      Antworten
    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Liebe Christiane, Schulterpassen und Ärmelabschüsse sind auf jeden Fall einen Versuch wert. Eine Bluse, die vorne Biesen hat, liegt ja noch zugeschnitten hier….
      Liebe Grüße
      Ines

      Antworten
    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Dank Dir Annelies! Der Stoff war zwar etwas flutschig, aber mit dem Bügeleisen lässt sich das gut bändigen.
      Liebe Grüße
      Ines

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  2. KAZE

    Eine herrlich komplexe Umsetzung des Themas und ein schöner Hingucker ist diese Fläche, die auch noch wunderbar die Schnittführung betont. Vielleicht auch etxra wärmt an dieser Stelle?
    die Biesesnnäherei war sicher ein längerer Akt, denn ich fand es schon rutschig bei mir und hatte durch den Stoff eine Orientierung, die du nicht hattest.
    Einfach gelungen!
    viele Grüße, Karen

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    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Danke Karen! Wärmer ist es vermutlich nicht, momentan ist es an den Seitenteilen noch etwas fester. Vermutlich einerseits durch die vielen Biesen und andererseits durch die Sprühstärke verursacht. Aber mit der Rutschigkeit ging es gut – viel bügeln hilft.
      Liebe Grüße
      Ines

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  3. stoffnotizen

    Eine tolle Anwendungsidee! Für Biesen mit der Zwilligsnadel ist Taft wahrscheinlich zu fest. Oder man müsste nach dem Nähen den Unterfaden ganz straff ziehen. Ich sehe es jedoch genau wie Du, die klassischen Biesen machen hier mehr her und Spaß. Super gemacht! Liebe Grüße!

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    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Ich hätte wahrscheinlich an der Fadenspannung drehen müssen, aber meine Maschine mag Verstellungen nicht so (oder vielleicht eher ich: wie bekommeich wieder den Ursprung her?) Aber nachdem ich es mit den klassischen Biesen ausprobiert hatte, gefiel mir das auch richtig gut.
      Liebe Grüße
      Ines

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    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Dank Dir Bele – und die Weste habe ich seit ihrer Fertigstellung vor einer Woche schon einge Male schon sehr gern getragen.
      Liebe Grüße
      Ines

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  4. Mareike

    Liebe Ines,
    das ist wirklich eine wunderbare Idee und sieht fanatstisch aus. Und der Clou dabei: An den Seiten ist der Stoff dreilagig und damit besonders warm. Wirklich eine tolle Umsetzung des Themas. Da bekomm ich direkt Lust, auch was mit Biesen zu nähen.

    LG MAreike

    Antworten
    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Liebe Mareike,
      danke! Ob die Dreilagigkeit zusätzlich wärmt, kann ich noch nicht einschätzen, aber vermutlich eher weniger. Die Wattierung habe ich ja an allen Schnittteilen und so “wullewarm” muss ja so eine West auch nicht sein (in diesem Winter eh nicht). Und nur ran an die Biesen, die gehen vielleicht auch in einem Stickrahmen um Struktur zu schaffen.
      Liebe Grüße
      Ines

      Antworten
    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Danke Mirella – das ist ja das schön am Nähen: meist sind es Unikate und kann es sich nach seinen Vorlieben anpassen.
      Liebe Grüße
      Ines

      Antworten
  5. Martina Hadaller

    Wow! Eine Steppweste selbst genäht! Und erst die Details. Und dazu noch gesehen dass in dem Hoodieschnitt eine Weste steckt und die richtige Größe für Deine Abwandlungen gefunden. Die Ecken an den Tascheneingriffen mag ich auch. Man sieht Dir an dass das DEIN Kleidungsstück ist!
    LG
    Martina

    Antworten
    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Liebe Martina,
      das ist der “Westenschnitt Meine Nuka”, ich hatte (bis Du kommentierts hattest) falsch verlinkt. Der Westenschnitt ist etwas weiter geschnitten als der Hoodie. Und grad durch die Wattierung wird das schon etwas kompakter und dann muss die Größe stimmen. Solche Taschenendlösungen habe ich schon oft gesehen und mich nun zum ersten Mal dran getraut – die Stoffspielereien reizen zum Experimentieren in vielerlei Hinsicht.
      Liebe Grüße
      Ines

      Antworten
  6. 123-nadelei

    Ein wohl überlegter Platz für solch eine manipulierte Stoffoberfläche, dadurch wird die Schnittführung stimmig betont. Gefällt mir sehr gut.
    Eine Zeit lang habe ich auch gerne Westen getragen, inzwischen mag ich es hinten am Hals nicht mehr, es drückt irgendwie oft. Immer mal was Neues …
    LG Ute

    Antworten
    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Nachdem ein Knieeinsatz nicht in Frage kam, wollte ich eine andere Fläche. und da ich händeringend eine neue Weste brauchte und der ausgewählte Schnitt dieses Seitenteil bot – da musste ich es einfach so machen.
      Früher habe ich ja gerne an den Westen Kapuzen getragen, zum Glück konnte ich die hier gut weglassen, da das Schnittmuster verschiedene Optionen bietet.
      Liebe Grüße
      Ines

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  7. griselda

    Boah, so sauber genäht und clever eingesetzt- das bekommt einen Hauch von Rockerromantik 🙂
    Ines, das hast du toll gemacht, die würde ich auch genauso nehmen.
    Großes Kino!!

    Antworten
    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Liebe Anja,
      bist du eine” Nichtwestenträgerin”? Zu Bürozeiten habe ich auch nie welche getragen. Seit ich aber hier zuhause bin und immer mal wieder rausspringen muss, ist da für mich ein klasse Kleidungsstück.
      LG Ines

      Antworten
  8. made with Blümchen

    Der Taft sieht recht flutschig aus, war das nicht doof zu nähen? Ah (genauer die Kommentare lesen hilft) Sprühstärke hast du verwendet. Ich bin auch fasziniert, wie viel Stoff die Biesen schlucken. Aber Deine Weste sieht toll aus, perfekt eingesetzt und kombiniert! Hast Du da mit Fleece gefüttert? Ah (genauer lesen hilft) ja, hast du.

    Auch spannend, dass bei deinem Link zum Bernina-Blog die Biesen mit der Doppelnadel trotz “Einlauffaden” etwas mieselsüchtig sprich flach wirken. Vielleicht wird das einfach nicht anders mit der Doppelnadel, vielleicht werden Biesen mit der Doppelnadel einfach flach und ich dachte nur, sie sollten plastischer werden.

    Jedenfalls ist Dir da ein sehr schönes Stück gelungen, großen Respekt! lg, Gabi

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    1. Nähzimmerplaudereien Beitragsautor

      Liebe Gabi,
      der Taft ist eher von der schwereren Art. So schlimm war das mit dem Rutschen nicht (sonst hätte ich auch diesen Stoff nicht gewählt).
      Zuerst wollte ich die Weste mit einem normalen Baumwollstoff füttern. Aber die Vorstellung, oben am Hals/Kinn ein Fleece zu haben, gefiel mir dann besser. Und schlußendlich habe ich die Weste komplett mit Fleece gefüttert, lediglich die Taschen sind aus Baumwolle.
      Die Zwillingsnadel und ich sind über all die Jahre nie Freunde geworden – daher auch die Cover, denn im Gegensatz zu Dir habe ich nie ordentliche Saumnähte damit hinbekommen (das waren immer Biesen…).
      Liebe Grüße
      Ines

      Antworten
  9. Pingback: Ein genähter Wollpullover | Nähzimmerplaudereien

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