Vermutlich kennen die meisten von Euch Überzieh- bzw. Regenjacken aus den 80ern? Diese leichten Kleidungsstücke, die man über den Kopf zog, die Wind und Regen abhielten und meist eine Brusttasche hatten? Manche konnte man zusammenpacken und sie sich um die Taille binden. Als Jugendliche in den 80ern hatten wir wohl fast alle solche Überziehjacken. Als Jennifer Rotbart nun Probenäher für eine solche Überziehjacke für Männer suchte und ich die Vorschaubilder meinen Männern zeigte, wollte der 16jährige gern eine solche Jacke – denn mittlerweile sind diese Jacken wieder “in” und relativ teuer. Er zeigte mir ein Bild einer solchen Markenjacke – und ich versuchte mein Glück, seine Wünsche und den zu nähenden Schnitt zusammen zu bekommen.

Meine erste Probejacke war viel zu groß – ich nähte sie nach seiner normalen Kaufgröße S – und wechselte dann auf die Größe, die der Schnitt für seinen Brustumfang angibt: XXS und habe die Ärmel und die gesamte Länge um jeweils 2 cm gekürzt.

Die Kapuze

Im Original ist der Halsausschnitt / Kapuze ziemlich weit. Er wollte aber eher eine Jacke, die sich hoch schließen lässt. Daher habe ich die Kapuze in eine sogenannte “Astronautenkapuze” umgewandelt, indem ich vorne etwas weggeschnitten habe. Den Reißverschluss führte ich dann bis zur Oberkante der Kapuze.

Die Teilungsnaht

Die Teilungsnaht zwischen dem oberen und unteren Vorderteil liegt im Original ziemlich in der Mitte der Jacke. Um aber den “typischen§ Look zu erreichen, habe ich diese Teilung 15 cm nach oben verlegt und zusätzlich einen doppelt gelegten Streifen eingenäht. Das ist etwas ungewohnt, da es sich ja um einen Raglanschnitt handelt. Die Arme konnte ich daher zuerst nur von oben her an die Vorder- und das Rückenteil annähen (damit der Halsauschnitt entsteht) und erst nachdem das Vorderteil komplett fertig war, konnte ich die Ärmel vollständig an die Vorderteile bzw. das Rückenteil annähen. Unter der Leiste befindet sich keine Tasche (das haben andere Probenäherinne ausprobiert), sondern wir entschieden uns für nach innen verlegte Nahttaschen.

Die Taschen

Das Original sieht eine Känguruhtasche bzw. normale Nahttaschen zwischen Vorder- und Rückenteil vor. Da aber das “Idealbild” andere Taschen hat, teilte ich das Vorderteil auf …

… und nähte Nahttaschen ein.

(Wer nachnähen will: Das Randteil ist 10 cm, das Mittelteil 34 cm breit. Von unten habe ich einen Abstand von 13 cm gewählt, die Taschen sind am Zuschnitt 21 cm hoch. Daher ist das innere Taschenfutter 33 cm, das äußere 35 cm breit. Die Höhe der Taschenfutterteile beträgt 54 cm)

Ein gute Anleitung für solche Taschen bietet die Videoanleitung von pattydoo (Softshelljacke Susan). Es handelt sich bei meiner Jacke nicht um zwei einzelne Taschen, sondern man greift von beiden Seiten in eine große Tasche, man kann also durchgreifen.

Der Stoff

Die Jacke ist für nicht so feste Jackenstoffe ausgelegt und kann gefüttert werden. Da die “Wunschjacke” aus Nylon Supplex hergestellt ist, machte ich mich auf die Suche danach und wurde bei FunFabric fündig, wo ich auch gleich noch ein Mesh-Futter kaufte. Zusätzlich bebügelte ich die Nähte mit einem Nahtversiegelungsband. Und: Die Jacke wurde tatsächlich winddicht. Der Regentest steht noch aus – aber ich bin da guter Dinge.

Durch das Mesh-Futter flutscht es gut beim Anziehen. Ich konnte es aber nur mit der Overlook nähen; meine Nähmaschine zog die Nähte zusammen.

Ich habe an allen Säumen 4 cm breite Belege aus dem Außenstoff angenäht (also 6 cm breit zugeschnitten) und das Mesh-Futter entsprechend kürzer zugeschnitten. So konnte ich beim Zusammenfügen von Außenstoff und Futter den Beleg einfach über den Mesh-Stoff legen und festnähen – so entstand auch der Tunnel an den Ärmel und am unteren Saum. Eigentlich sind im Schnitt Bündchen vorgesehen – uns waren aber Gummizugabschlüsse lieber.

Auch am Kapuzenrand habe ich einen solchen Beleg genäht, ebenso an den Kanten, wo vorne der Reißverschluss eingenäht ist. Den Aufhänger habe ich zwischen das Kapuzen- und Rückenteil eingenäht und zusätzlich die Nähte von Außen- und Innenjacke an dieser Stelle im Nahtschatten zusammengesteppt. Wenn jetzt die Jacke am Haken hängt, bleiben Außenjacke und Futter beieinander.

Die Jacke ist herrlich leicht geworden und wird gern und stolz getragen. Ich bin auch sehr zufrieden mit ihr – da ist Rotbart ein schönes wandelbares Schnittmuster gelungen.

Vermutlich werde ich demnächst noch weitere Jacken nähen – der Junge wächst gerade täglich und die Ärmel könnten schon wieder länger sein, speziell beim Rennradfahren. Und auch ich könnte mir eine solche leichte Wind- und Regenjacke vorstellen. Und wenn Ihr auch eine solche Jacke nähen wollt, könnt Ihr Euch das Schnittmuster kaufen oder bis heute Abend auf meinem Instagram-Account noch ein Ebook gewinnen.

Liebe Grüße

Ines

 

Material
Nylon Supplex, Mesh: FunFabric
Dichtband: örtlicher Stoffladen

Schnitt
Die Überzieh-Übergangsjacke für Männer XXS -XXL
erhältlich bei Dawanda und Makerist
von Rotbart
Der Schnitt wurde mir im Rahmen des Probenähens kostenlos zur Verfügung gestellt.
Die von mir vorgenommenen Änderungen sind hier beschrieben

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