“Ein Quilt entsteht für mich im intensiven Dialog mit dem Stoff. Mit der Zeit habe ich mich vom anfänglichen Streben nach immer komplizierteren Techniken entfernt und bin zu eher einfachen gelangt, bei denen kein Stück Stoff vergeudet wird. Nicht den Charakter des Materials unterdrücken und verstecken, sondern die dem Material innewohnende Kraft bestmöglich zur Geltung zu bringen – das ist mein größter Wunsch, wann immer ich an einem Quilt arbeite.”

Shizuko Kuroha, Japanisch Quilten, S. 10

Japan – als Gabi Made with Blümchen dieses Thema für die Stoffspielereien vorschlug, und heute auch alle Beiträge sammelt, wusste ich sofort, dass ich etwas aus dem Buch “Japanisch Quilten” von Shizuko Kuroha ausprobieren will. Leider ist das Buch nur noch antiquarisch erhältlich  – vielleicht habe ich eines Tages Glück, und ich finde es irgendwo auf eine Flohmarkt zu einem bezahlbaren Preis.

Am Anfang meiner Patchworkkarriere habe ich fast alle Patchworkbücher unserer Bibliothek ausgeliehen, so auch dieses Buch. Und es hat mich sofort fasziniert. Neben vielen Quilts aus typisch blauen Indigo-Stoffen beschreibt sie darin auch ihren Weg zur Quilterin, dieser Teil des Buches nennt sich “Ein Leben für das Quilten” – und da stehen so viele gute Sätze und Gedanken drin. Man begleitet Shizuko Kuroha (*1938) durch ihr ganzes Leben in Japan und Amerika.

Für die meisten Projekte in ihrem Buch gibt es auch Anleitungen, eine davon habe ich nachgenäht. Am Anfang stand aber die Suche nach Indigo-Stoffen, da sie hauptsächlich alte Indigo-Stoffe für ihre Quilts verwendet.

“Die Geschichte der Stoffe ist auch immer die Geschichte des Lebens der Menschen. Wenn ein Stoff einmal verloren gegangen ist, wird er nie mehr in derselben Art herzustellen sein.

Shizuko Kuroha, Japanisch Quilten, S. 79) .

Ich habe keine original Indigo gefärbten Stoffe gefunden, aber drei Online-Shops, die japanische Blaustoffe führen, die ähneln dem Original auf gewisse Weise. Ich bestellte einige FatQuarters und hatte dann eine kleine Sammlung zu meinem einen Stoff, den ich in meiner Kiste fand.

Die Stoffe sind nicht einheitlich, manche sind gröber, manche feiner, einer eher schwarz. In den nächsten Wochen zeige ich sicher noch einige Projekte auf dem Blog, da ich diese Stoffe fleißig vernäht habe.

Das Patchwork

“Vorsicht ist geboten, wenn man ein gewisses Vertrauen in sich gewonnen hat und nun mit aller Macht ein großes Werk schaffen will, denn dann gerät man leicht ins Stolpern. Die Suche nach Anerkennung wird sich unweigerlich in dem Werk widerspiegeln.”

Shizuko Kuroha, Japanisch Quilten, S. 69

Zuerst probierte ich ein Patchwork-Muster aus bunten Stoffen aus – das habe ich dann zu einer Projekttasche verarbeitet. Für die Stoffspielereien entschied ich mich aber für  die “Tasche für Nähutensilien”, da ich sie dahingehend abwandeln konnte, um mir ein Reiseetui zu nähen.

Das Muster ist in Bargello-Streifen-Technik, der Reiz besteht im Spiel der unterschiedlichen Stoffe. Ich habe also fünf verschieden Stoffstreifen aneinandergenäht, auseinander geschnitten…

… und versetzt wieder aneinander genäht.

Zusammen mit einem Rest weichen Wollvlieses und einem Rest Stoff entstand das Top für die Hülle.

Das Quilten

“Zweifellos gibt es angeborene Talente, und wer mit gutem Geschmack gesegnet ist, kann sich glücklich schätzen. Ich halte das jedoch nicht für entscheidend. Wichtiger ist es, zu lernen und Fähigkeiten weiterzuentwickeln, die man für sich selbst als wichtig erachtet, und dafür muss man seine Seele offen und ehrlich halten. Ich glaube, für das Herstellen von Dingen ist diese Einstellung das Wichtigste, aber auch das Schwerste.”

Shizuko Kuroha, Japanisch Quilten, S. 69

Ein typischer japanischer Quilt ist bei Shizuko Kuroha von Hand gequiltet, d.h die drei Lagen des Tops werden mit kleinen Vorstichen zusammengenäht. Ich hatte noch eine Rest blaue Handnähseide, das farblich gut passte. Zuerst zeichnete ich aber die Quiltlinien auf.

Anschließend stichelte ich die Linien ab

– bis ich feststellte, dass meine knappen zehn Meter Nähseide nicht für das komplette Top reichen würden. So ist mein Top nicht vollständig in allen Rechtecken gequiltet, aber ich habe versucht, ein Schema reinzbringen.

Die Rückseite:

Das Reiseetui

“Wenn etwas nicht so läuft, wie ich es gerne hätte, dann spüre ich, dass ich die Fähigkeit habe, mich immer wieder selbst zu besiegen. Mein Leben kann niemand für mich übernehmen. Ich glaube, indem ich weiterhin Quilts anfertige, trainiere ich meine Fähigkeit, mein Leben selbst zu steuern. Ich glaube, auch das gehört zum Erwachsenwerden eine Menschen.”

Shizuko Kuroha, Japanisch Quilten, S. 69

Schon vor zwei Jahren nähte ich für den Familienurlaub ein Reiseetui nach einem Schnitt von Martina Machwerk. So ganz kam ich mit der Innen-Aufteilung nicht zurecht, so dass ich nun das Innenleben “meines” Etuis meinen Bedürfnissen angepasst habe.  Dafür habe ich auch wieder die Blaustoffe verwendet – aber nicht zu kleinteilig, um hier die Stoffe wirken zu lassen. Auf der einen Seite habe ich nun Einsteckfächer, die zu Mitte hin geöffnet sind. 

Mittig ist eine Lasche für einen Stift und auf der anderen Seite ist eine kleine Reißverschluss-Tasche.

Bei diesem Innenleben ist es egal, wo bei diesem Etui oben und unten ist.

Doch am meisten mag ich die Außenseite – das ist so geworden, wie ich es mir vorgestellt habe.

Ich freue mich schon aufs Verreisen – und die Gedanken aus dem Buch werden mich sicher begleiten.

“Eine Freundin hat mich einmal mit folgenden Worten charakterisiert: ‘Man sagt ja, dass man nicht einfach wieder so aufsteht, wenn man einmal hingefallen ist, aber du hebst auch immer gleich etwas mit auf, wenn du nach dem Hinfallen wieder aufstehst.’ Im Grunde ist mein gesamtes Leben eine Wiederholung dieses Prozesses.”

Shizuko Kuroha, Japanisch Quilten, S. 69

Vielen Dank liebe Gabi Made with Blümchen für das Thema “Japan” und das Sammeln der heutigen Stoffspielereien-Beiträge – unbedingt vorbeischauen!

Liebe Grüße

Ines

 

Was sind die Stoffspielereien?

Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der vorläufige Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:

27.05.2018: „Japan“ bei madewithbluemchen
24.06.2018:  “Rokkoko” bei Nahtzugabe

Material
verschiedene Blaustoffe vom “Quiltshop Ruth Baudisch” via Dawanda,
aber auch hier oder hier.
Reißverschluss und Vlies: Fundus

Schnitt
Reiseetui von Machwerk mit anderem Innenleben

zugrundeliegendes Buch
Japanisch Quilten  – 39 Projekte in edlem Blau, von Shizuku Kuroha, Knaur Ratgeber Verlag, 2008