“Nähen auf Papier” – Herzlich willkommen zu den Stoffspielereien im November und dem von mir ausgesuchten Thema. Zuerst hier die Links zu den Stoffspielerinnen, mein Beitrag folgt dann im Anschluß an die Linkliste. Wer einen Beitrag zu den Stoffspielereien vorbereitet hat, schreibt es mir im Kommentar.

Danke an Euch Teilnehmerinnen und alle Leser – nun Vorhang auf für

Die Stoffspielereien
Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Bist du nächstes Mal auch dabei?

Die nächsten Termine:
26.01.2020: „Textiler Schmuck“ bei Siebensachen
23.02.2020: „XXL“ bei bimbambuki
29.03.2020: „Draht und Stoff“ bei Nahtlust
26.04.2020: „Visible Mending“ bei 123-Nadelei
31.05.2020: „Blumen“ bei Petersilie & Co
28.06.2020: „Monogramme“ bei made with Blümchen
Sommerpause
27.09.2020: „Texturen aus der Natur“ bei Schnitt für Schnitt
25.10.2020: „Textile Behältnisse“ bei Feuerwerk by kaze
29.11.2020: (Thema noch offen) bei Nähzimmerplaudereien

Nun zu meinem Beitrag

Als es ans Vorbereiten des Themas “Nähen auf Papier” ging, spielte ich kurz mit dem Gedanken, eine Fadengraphik zu erstellen, wie bspw. diesen Kinderwagen, der die Geburtsanzeige unseres ältesten Sohnes schmückte.

Aber ich kam vom Thema Foundation Paper Piecieg (FPP) oder auch “Nähen nach Zahlen”, wie es auch genannt wird, nicht los und habe mir daher ein kleines Projekt ausgedacht, das hoffentlich zum Nachmachen anregt: Ein kleiner Stern, der selbst gezeichnet werden kann (aber ich habe auch einen Download) und die Anleitung, wie ich beim FPP vorgehe.

Foundation Paper Piecing (FPP)

FPP bedeutet, man näht auf einer Papiervorlage entlang der vorgezeichneten Linien Stoffstücke aneinander,  so dass auf der Rückseite der Vorlage das Motiv entsteht. Die Vorlagen kann man selbst zeichnen, kaufen oder sich einer freien Vorlage bedienen. Mit der Software Electric Quilt (aktuell ist die Version EQ 8 verfügbar) lassen sich neben klassischen Quiltblöcken auch selbst gezeichnete Motive in FPP-taugliche Vorlagen umwandeln. Unterschiedlichste Beispiele deutscher Patchworkerinnen findet man dafür bspw. bei Ingrid Joe, June and Mae oder bei Karen Easypatchwork sowie bei Ula Lenz, Regina Grewe oder Claudia Hasenbach.

Umfangreiche FPP-Vorlagen sind in Segmente unterteilt, die später dann zusammengenäht werden. Zudem muss sozusagen spiegelverkehrt gedacht werden, da sich das Motiv nach dem Nähen auf der Rückseite der Vorlage befindet.

Das Erstellen der Stern-Vorlage

Passend zur Advents- und Weihnachtszeit habe ich einen symmetrischen sechszackigen Stern gewählt, der auch ohne Software gut zu zeichnen und flott zu nähen ist.

Zuerst habe ich die fertige Blockgröße bestimmt – hier ein Quadrat mit der Seitenlänge 4 “.In dieses Quadrat hinein habe ich den sechseckigen Stern mit Geodreieck und Zirkel konstruiert und die Linien mit einem nicht zu dünnen Stift nachgefahren. Damit das nachher einfacher wird, ist der Stern an den Querachsen spiegelsymmetrisch.

Durch die Sternspitzen habe ich (grüne) Linien gezogen. Dadurch entstehen sechs Segmente.

Jedes Segment wird nun so aufgeteilt, dass eine Linie (in rot) gerade weiter Richtung Rand gezogen wird. Dadurch wird jedes Segment in drei Teile/Flächen geteilt.

Nun wird die Reihenfolge der Nähens in jedem Segment durch Nummerierung  bestimmt. In Segment A also die Flächen A1, A2 und A3, in Segment B die Flächen B1, B2 und B3, usw.

Die Segmente werden nun auseinandergeschnitten. Nun ist auch klar, warum der Stern achsensymmetrisch im Quadrat eingezeichnet wurde: so brauchen wir nur drei verschiedene Segmente, von denn jedes Teil doppelt benötigt wird.

Rings um jedes Segment wird mit einem Lineal eine Nahtzugabe von 1/4 ” angezeichnet.

Um das Nähen einfacher zu gestalten, ist sind die Flächen, die den Stern ergeben, schraffiert.

Dies habe ich kopiert, so dass je zwei Segmente A, B und C auf einem Blatt zu finden sind.

Und wer nicht selbst konstruieren möchte und den Stern trotzdem nachnähen möchte, findet hier die Vorlage zum Download.

FPP Stern in 4 inch von Nähzimmerplaudereien

Vorbereitungen

Bevor es nun ans Nähen geht, müssen alle Segmente inklusive der Nahtzugaben, also dem Rand drumrum, ausgeschnitten werden. Ich lege mir die Teile gern sortiert vor mich hin, um das Motiv besser zu verstehen.

Als “besonderes”  Werkzeug verwende ich gerne ein “Add-a-Quarter”-Lineal, welches an der Unterseite im Abstand von 1/4 ” zur Oberkante eine Kante hat sowie einen Holzroller oder ein Bügeleisen. Ja, und einen Rollschneider, aber der ist ja mittlerweile bei fast allen von uns kein Spezialwerkzeug mehr. Wie diese Werkzeuge eingesetzt werden, zeige ich gleich.

Die Nähmaschine bekommt eine feine Nadel, ein passendes Nähgarn und evtl. einen durchsichtigen Nähfuß. Da das Papier mit der Nadel perforiert wird, bietet es sich an, die Stichlänge auf ca. 1,2 mm zu reduzieren. Manche nähen gerne mit einem noch kleineren Stich – das ist echt Geschmacksache.

Ich schneide gerne de Stoffstücke ein Stück weit vor. Hier für den Stern benötigt man in Sternfarbe sechs Stoffstücke 2,5″ x 2″ und zwölf in Hintergrundfarbe 3″ x 2″.

Das Nähen nach der FPP-Vorlage

Ich habe mir mittlerweile eine feste Reihenfolge angewöhnt:

  1. Neue Fläche nach oben zeigen lassen
  2. (mit einer Stecknadel) den neuen Stoff fixieren
  3. nähen
  4. Papier runterfalten
  5. Stoffe auf Nahtzugabe zurückschneiden
  6. auseinanderbügeln

und das wiederholt sich dann, bis alle Flächen bedeckt sind. Aber hier nun die Schritte im Einzelnen und mit mehr Erläuterungen:

Die Flächen werden in der aufgezeichneten Reihenfolge abgenäht. Zuerst kommt die Fläche 1 dran. Auf der Rückseite der Fläche 1 wird ein Stoffstück in Sternfarbe so platziert, dass die komplette Fläche 1 inkl des umgebenden Rands mit dem Stoff abgedeckt ist. Die linke Seite des Stoffes zeigt zum Papier.

Dieses erste Stoffstück kann mit einem Textilkleber auf der Rückseite des Papiers festgeklebt werden oder mit den Fingern fixiert werden. Gegen das Licht kann man gut kontrollieren, ob die Fläche auch komplett abgedeckt ist.

Nun kommt die Fläche 2 dran. Ich halte immer die Fläche, die alles nächstes drankommt, nach oben. Damit diese Fläche von Stoff bedeckt werden kann, wird auf die Rückseite des Papiers das Stoffstück mit der rechten Seite gegen das Papier so aufgelegt, dass es nach einer Naht auf der Trennlinie zwischen Fläche 1 und Fläche 2 so aufgeklappt werden kann, dass es die Fläche 2 bedeckt. Ich habe hier das Stück Stoff aus Hintergrundstoff mit einer Stecknadel festgesteckt. Gerade bei den ersten FPP-Stücken kann man so probeweise den Stoff hochklappen und kontrollieren, ob der Stoff richtig platziert ist und nachher die komplette Fläche 2 abdeckt.

Ich starte außen am Rand und nähe genau auf der Linie bis ich zu einer Kreuzungslinie komme. Durch den kleinen Stich muss die Naht nicht durch Rückwärtsstiche gesichert werden.

Hier ist die Naht zwischen den Flächen 1 und 2 zu erkennen.

Dann wird das Papier an der Nahtlinie heruntergeklappt.

Anschließen wird auf die Nahtzugabe von 1/4″ zurückgeschnitten. Entweder mit einem normalen Patchworklineal oder eben mit dem Add-a-Quarter, das an der Nahtkante einrastet und man nur oben entlang schneiden muss.

Das Stück umdrehen und den oben liegenden Stoff aufklappen und auseinanderbügeln oder auseinanderwalzen.

Gegen das Licht wieder kontrollieren, ob das neu angenähte Stück Stoff die Fläche abdeckt.

Und dann kommt die nächste Fläche – 3 – dran. Fläche 3 nach oben halten

Ein neues Stoffstück aus Hintergrundstoff mit der rechten Seite gegen das Papier so an der Linie auflegen,

dass bei einer Naht auf der Linie zwischen Fläche 3 und Fläche 1+2 der Stoff bei einem Umklappen die Fläche 3 abdeckt. Der Pfeil im nächsten Bild zeigt auf das neue Stoffstückchen.

Wieder mit einer Stecknadel feststecken und testen.

Die Linie abnähen.

Den überstehenden Stoff auf die Nahtzugabenbreite abschneiden.

Und nach dem Umklappen bügeln bzw. walzen.

Anschließend das Teil rumdrehen und entlang des Papiers den überstehenden Stoff abschneiden.

Auf diese Art und Weise werden alle sechs Segmente genäht.

Das Zusammennähen der Segmente

Nachdem alle Segmente zurückgeschnitten sind, müssen die einzelnen Segmente zusammengenäht werden. Zuerst wird A an B angenäht, daran kommt Teil C (hier in meinem Beispiel passiert dies zweimal, damit man zwei Sternhälften erhält)

Zuerst werden die Teile rechts auf rechts aufeinandergelegt, Ich durchstoße mit einer Stecknadel genau den Eckpunkt auf dem oben liegenden Segment und den passenden Eckpunkt des darunterliegenden Segments.

Mit Klammern fixiere ich dann die Nahtlinie und entferne die Stecknadeln erst an der Nähmaschine.

Es wird wieder genau auf der Linie genäht – die Pfeile zeigen auf diese Naht.

Anschließend das nächste Segment auf dieselbe Weise annähen.

Wenn Segmente zusammengenäht werden, entferne ich immer das Papier, das die Nahtzugabe bedeckt (s. Pfeil), das restliche Papier kommt erst später dran.

Die Nahtzugaben zur Seite bügeln…

… und die eine Hälfte des Sterns ist fertig.

Die andere Sternhälfte wird ebenso genäht.

Anschließend werden die Sternhälften zusammengenäht. Bei mir wurde es flacher, als ich diese Nahtzugabe auseinander gebügelt habe.

Und fertig ist der Stern! Und anschließend auch ein zweiter oder dritter… .

Der Vorteil solcher Vorlagen ist, dass sie relativ einfach vergrößert und verkleinert werden können. Mit dem Kopierer wird die Vorlage bspw. auf 150 % vergrößern, an den Segmenten ein neuer Rand in 1/4″ Abstand eingezeichnet, der dann so ausgeschnitten wird – und man erhält einen Block in 6″.

Vermutlich werde ich noch ein paar Sterne in unterschiedlichen Größen und Gelbtönen nähen und mit dem verbleibenden Hintergrundstoff zu einem Weihnachts-Tischläufer vernähen – das reiche ich dann nach!

Meine Stoffspielerei war dieses Mal nicht etwas wirklich Neues für mich – ich liebe diese Technik sehr und habe daher die vertrauten Pfade nicht verlassen. Das Spannende für mich war, die Vorlage selbst zu entwerfen und zu sehen, dass sich daraus wirklich ein Stern nähen lässt.

Ich hoffe, meine Erklärungen, wie ich FPP nähe, machen Euch Lust, es auszuprobieren! Es gibt so tolle Vorlagen und einfachere lassen sich gut selbst zeichnen. Und nicht den Mut verlieren, mein erstes FPP-Werk vor vier Jahren war noch völlig chaotisch…

Liebe Grüße

Ines